Die kleine Rosa und ihre grosse Wende- Teil 2


Es musste also fast ein komplettes Jahr vergehen, in dem unser Leid so unerträglich groß werden musste, bis ich aufwachte, bis mein Mann aufwachte. Ich suchte schließlich nach anthroposophischen Kliniken und stieß auf das Buch: „Alltagsautisten“ von Katerine Dyckmans.

Ich las das Buch und von Seite zu Seite fand ich mich und meine Familie immer mehr wieder, ich entdeckte Erklärungen, Perspektiven und wusste, jetzt muss ich die Sache in die Hand nehmen.

Wir fingen direkt mit der Ernährungsumstellung an. Wir verzichteten auf Gluten und Milchprodukte. Ich räumte die gesamte Küche um und bereits binnen einer Woche bemerkte ich bei mir selbst, dass mir die ganze Zeit Schleim den Hals hinunterlief und ich war viel fitter und hatte mehr Energie. Bei Rosalie bemerkten wir eine deutliche Reduzierung ihrer täglichen Anfälle. Zu diesem Zeitpunkt hatte Rosa ca. 30 Anfälle am Tag und allein durch den Verzicht von Gluten und den Milchprodukten haben wir schon die Anfälle bestimmt um die Hälfte verringern können.

Nach meinem ersten Telefonat mit Katerine war klar, ich möchte mit meiner Rosa nach Mallorca. Da mein kleiner Sohn Linus zu der Zeit gerade vier Monate war, war es uns ebenfalls wichtig, dass er und auch mein Mann mitkommt. Im Nachhinein war es die beste Entscheidung, denn wir konnten als Familie therapiert werden. Es war im Februar und wir reisten nun mit Sack und Pack bei Katerine auf Mallorca an, samt Rosa und ihrer Hundehaarallergie. Nun sind wir bei Katerine und unserer Unterkunft für die nächsten drei Wochen angekommen und es warteten zwei große zutrauliche Hunde auf uns, die Rosalie direkt zur Begrüßung einmal ins Gesicht schleckten. Rosas Kopf war ungefähr auf der gleichen Höhe wie Brunos Kopf. Das passte ganz gut. Katerine sagte uns, um eine Allergie schnell zu behandeln, muss das Immunsystem dem Allergen ausgesetzt werden - sonst versteht es die Information ja nicht. Es dauerte keine fünf Minuten und Rosa bekam rote Flecken, sie juckte sich überall und ihre Augen wurden rot und schwollen an. Am nächsten Tag gingen direkt die Behandlungen los. Wir begannen mit den chinesischen Kräutern und Rosa bekam regelmäßig Tuina. Alte Muster wurden gelöst. Sowohl bei uns als auch bei Rosa. Wobei natürlich in dieser Richtung, wir als Eltern gefragt waren, da wir es natürlich übermitteln und weitergeben. Wir haben bis dahin schön die Suppen der Großeltern und Eltern gekocht und wir klangen bei dem, was wir sagten, bereits genau wie sie.

Es dauerte nicht mal drei Tage und Rosa hatte keinerlei Reaktionen auf die beiden Hunde gezeigt. Ihre Anfälle waren weg und sie begann die Dinge um sich wieder mit Freude wahrzunehmen. Die ersten Tage schaufelte Rosa den Humus nur so in sich rein. Es gab nichts, dass sie lieber gegessen hatte. Cracker mit Humus. Proteine-Proteine-Proteine.

Nach nicht einmal einer Woche kam sie von allein, sie nahm ihre Kräuter, sie aß plötzlich alles, was sie vorher vehement verweigerte - selbst Gemüse.

Sie begann so schnell zu wachsen und ihr Defizit aufzuholen, dass wir bereits in der zweiten Woche neue Hosen kaufen mussten, da Rosa nur noch Hochwasserhosen hatte - sie hatte einen unglaublichen Wachstumsschub. Ihr Körper und das Immunsystem regenerierten sich und nahmen ihre Arbeit und Funktion wieder auf.

Das Schwierigste für mich war die Auflösung alter Muster. Wie sehr ist man geprägt durch die Familie und die Gesellschaft. Es dauerte, bis man so richtig loslässt und einfach aus dem Bauch heraus die Dinge annimmt und umsetzt, wie sie eben kommen und wie es sich richtig anfühlt. Und das Tolle daran: Es ist auch noch richtig!

Ich habe mich in meiner Mutterrolle neu gefunden – alles war plötzlich so entspannt und leicht. Die Bindung entstand neu zwischen mir und Rosa – sie wurde ja gekappt durch die vergangenen Monate.

Diese Emotionen im Körper wieder zuzulassen und überhaupt dem Körper die Möglichkeit zu geben, dass sie wieder entstehen können. Dieses Gefühl von Kribbeln im Bauch – das Dopamin, welches endlich wieder entstand. Ich konnte es dann an mein Kind weitergeben.

Rosa war sehr interessiert an der Akupunktur. Sie schaute immer bei uns Erwachsenen zu und wollte sogar die letzten beiden Tage selbst akupunktiert werden – bei der Akupunktur und den Nadeln am Kopf gab es damals bei ihr einen solchen Knall, dass kann sich keiner vorstellen – der absolute Treffer und ein Zeichen, dass sie unheimlich viele Ablagerungen im Körper hat, die es gilt, weiterhin zu lösen. Da bekam PENG! dich selbst. eine ganz andere Bedeutung.

Die Akupunktur schlug sogar noch schneller bei ihr an und wir bemerkten nochmals einen enormen Schub – Rosa lächelte wieder, sie begann sich für ihre Mitmenschen zu interessieren und nahm ihr Umfeld wieder wahr. Vor allem ihren Bruder, den sie wahrscheinlich noch nie so richtig registrieren konnte. Da sprudelte wieder Dopamin in ihrem Körper.

Sie begann zu sprechen - in vollen Sätzen und Katerine war so begeistert und amüsiert, was für ein witziges, schlagfertiges kleines Mädchen unter der gedimmten, reaktionslosen Rosa steckte.

Bei Linus bemerkten wir ebenfalls, welche Ablagerungen er in seinem Körper trug. Er bekam lediglich die Kräuter durch die Muttermilch, da ich ihn zu der Zeit noch stillte. Es war Tapetenkleister, den ich in seiner Windel wiederfand. Die Windel hat sich direkt wieder an den Po gezogen, solch klebrige Masse kam aus diesem kleinen Körper. Linus hatte bereits mit knapp ein bis zwei Monaten schon erste Anzeichen von Neurodermitis. Nach unserer Challenge auf Mallorca hat Linus nie wieder Hautprobleme gehabt. Linus ist ja schlussendlich mit einer guten Ernährung, einer gesunden Lebensweise und auch mit den Kräutern aufgewachsen. Er ist immer wieder ein Zeichen für mich, wie man es richtig machen kann und welche Stärke diese Kinder entwickeln.

Wir verließen die Mallorca nach 21 Tagen mit riesigem Erfolg. Rosa hatte keine Allergie mehr, ihre Haut hat sich innerhalb der drei Wochen verbessert, kein Heuschnupfen mehr und das Wichtigste: sie war wieder ein lebensfrohes Mädchen, das ihr Umfeld wahrnehmen konnte - sie war wieder sie selbst.

Ihr Körper fing wieder zu arbeiten an, ihr Immunsystem funktionierte zunehmend besser und besser. Ihr Dünndarm regenerierte sich und die Nieren und Nebennieren konnten wieder ihre Hormonketten schicken.

Da wir vermuteten, dass die viel zu hohe Dosierung der Medikamente Rosa in ihrer weiteren Entwicklung und Genesung blockieren könnten, beschlossen wir direkt, die Medikamente alle Stück für Stück auszuschleichen – heute sind wir Medikamentenfrei – es dauerte zwei Jahre, um die Medikamente ganz langsam auszuschleichen, da es, ähnlich wie beim Einschleichen, ein katastrophaler und anstrengender Weg war, der immer wieder von heftigsten Entzugserscheinungen und Nebenwirkungen geprägt war. Es ist schlussendlich ein Drogenentzug bei einem Kind, das sein Leben lang nur mit Drogen lebte.

Mit jeder Therapieeinheit verbesserte sich Rosas Zustand, sie wurde immer klarer, konnte immer mehr Dinge umsetzen, wahrnehmen und sich entwickeln.

Gespräche mit ihrem Bruder entstanden, Gespräche mit mir fanden statt - sie entwickelte eine Fürsorge und ein Mitgefühl für ihre Menschen. Mein Kind brauchte plötzlich kein Spielzeug mehr, sondern beschäftigte sich selbstverständlich und frei, mit dem, was in der Natur ist, ihre Phantasie begann sich zu entfalten.

Rosa hatte endlich wieder Spaß am Leben, sie wurde stark und selbstsicher und nabelte sich von mir ab – sie wurde selbstständig und überraschte mich immer wieder mit ihrem Drang, Dinge zu erkunden.

Einmal fuhren wir Auto – für gewöhnlich verliefen die Autofahrten mit Rosa eher stillschweigend. Plötzlich rief sie: „Mama!“ Ich dachte es wäre etwas passiert, dabei hat mein Kind eine Pferdekoppel mit Pferden aus dem Auto gesehen. Ihr Kopf war nicht mehr nur gerade nach vorn ausgerichtet mit offenem Mund, nein mein Kind saß von Mal zu Mal immer interessierter in ihrem Kindersitz und drehte sich zum Fenster hin und beobachtete alles, was draußen zu sehen war.


Auch die Beziehung zu meinem Mann hat sich stark verbessert – es entstand wieder ein Miteinander, nicht nur ein Muttersein und Vatersein – die Kommunikation untereinander war klarer und jeder war wieder für sich – wir haben auf diesen ganzen Einheitsbrei verzichtet – so wurden wir deutlich zufriedener und das wirkte sich auf die Beziehung und natürlich die Kinder aus.

Jeder ist eine separate Person in der Familie, jeder hat Bedürfnisse, diese werden respektiert und jeder hat seinen Freiraum. Wie Katerine immer betont, wir sind Einzelwesen und nur starke Einzelwesen können eine starkes “Wir” ergeben.

Bei uns gibt es keinen “wir-Brei” mehr - alte Floskeln oder Rituale haben wir aus unserem Leben verbannt. Wir sind einzigartig und machen unser Leben so, wie wir es möchten. Wir leben es, wie wir es für uns richtig empfinden und wie es sich unserem Gespür nach richtig anfühlt. Was andere denken tangiert unsere Entscheidungen nicht mehr. Unsere Absicht, eine gesunde Familie zu haben, war so stark und ist das Wichtigste überhaupt.

Auch an Rosas Haaren und Nägeln bemerkte man, wie ihr Körper immer mehr regenerieren konnte und immer mehr Energie bekam. An Rosas Haarfarbe konnte man genau erkennen, ab wann die gesunden Haare wachsen konnten – auch Locken kamen zum Vorschein.

Immer wieder kam schubweise Schleim über den Stuhlgang oder die Nase/ den Hals heraus. Teilweise sogar richtig umhüllte „Furunkel“, teilweise war sogar durch die Hartnäckigkeit ihrer Ablagerungen altes dunkles Blut im Stuhl. Man konnte sehen, der Dünndarm reinigte sich, alle Ablagerungen lösten sich. Alles brauchte natürlich seine Zeit.

Kurzum, Rosas regenerierte sich. Die Darm-Gehirn-Achse und das Immunsystem fingen wieder an zu arbeiten. Ihre Leber fing wieder an zu arbeiten, ihre Niere hatte wieder genug Energie. Ihr Strahlen in den Augen ist hierfür das beste Zeichen und ihre Lebensfreude.

Wichtig war natürlich nicht nur die Ernährung und die Behandlung in Form von Akupunktur oder Tuina – eine große Rolle spielten wir als Eltern – unsere Muster lösten wir, immer mehr Erkenntnisse kamen und die ganze Lebensweise veränderte sich. Der Fokus im Leben wurde anders gesetzt. Wir legten Wert auf Ruhe, Entspannungsphasen und verließen ganz bewusst das Hamsterrad und den Fight- oder Flight-Modus kennen wir schon gar nicht mehr.

Nicht nur an Rosa erkannten wir die wesentlichen Fortschritte. Auch bei mir und meinem Mann regenerierte sich der Körper. Wir entschleimten genauso.

Die Nieren arbeiteten wieder richtig und das aufgeschwemmte, auch bei Rosa ging weg, feste Gesichter werden in Form gebracht.

Linus Fehlblick, der von einem nicht harmonisch arbeitenden frontalen Cortex herrührt, wen wundert das, war weg und er schaut gerade in diese Welt.

Linus ist immer noch ein Junge mit starker Haltung - jedoch sind seine vielen Wutausbrüche verschwunden.

Ich sagte damals, dass mein „Trommler im Bauch“ endlich still ist – eine totale innere Unruhe, die ich spürte. Und plötzlich war alles so langsam und ruhig.

Bei Katerine heißt der Trommler Roberto und ist der Chaot in der Körper-WG.

Wenn eine innere Unruhe geht, die ein ganzes Leben da war, das ist ein unfassbarer Moment. Ich hatte auf einmal alle Zeit der Welt und konnte in aller Ruhe ganz intuitiv Entscheidungen treffen und das gibt mir eine solche Zufriedenheit. Ich sehe heute die Dinge aus einer anderen Perspektive. Der Zorn, die Wut haben sich gelegt – die Leber ist beruhigt. Ich verspüre wieder Energie, Lebenslust und einen inneren Antrieb – die Niere funktioniert wieder.

Alle Organe im Körper arbeiteten wieder Hand in Hand und man spürte förmlich die Leichtigkeit und Harmonie, die Selbstverständlichkeit eben, wie sie ihren Aufgaben nachgingen und dabei blieb noch genug Zeit übrig, um alles aus dem Außen zu verarbeiten.

Ein Erfolg, den wir alle vier verspüren und natürlich Rosa am allermeisten.

Danke an Rosa, dass du uns diesen Weg gezeigt hast. Auch wenn wir viel erleben mussten, um aufzuwachen. Du bist ein großartiger Mensch.

Zuletzt möchte ich noch einmal an alle Eltern, vor allem auch die Mütter appellieren, bleibt euch und euren Kindern treu. Verbiegt euch für nichts und niemanden. Zeigt Stärke und kämpft für eure Kinder. Hört auf eure Instinkte und eure Intuition. Und bitte hört mit diesem Pseudo-Familiengetue auf. Kümmert euch ehrlich und selbstverständlich um eure Kinder und hört auf, sämtliche Familienaktivitäten und Weihnachtsfeste bei Facebook oder Instagram zu posten, nur um allen anderen zu zeigen, wie tolle Eltern ihr doch seid. Das, was tolle Eltern ausmacht ist, dass ihr zu euren Kindern steht, dass ihr für sie einsteht und die volle Verantwortung übernehmt. Schickt Kinder mit intakten Immunsystemen in diese Welt und sorgt dafür, dass ihre Darm-Gehirn-Achse harmonisch arbeitet. Alles andere ist zweitrangig. Seit klar und ehrlich zu den Kindern und vor allem auch zu euch. Lasst es nicht so weit kommen, dass die Kinder Leid erfahren müssen. Ihr habt als Eltern alles in der Hand und könnt für eure Kinder da sein. Hinschauen! Verändern! Umlernen!

Danke liebe Katerine, dass du uns so schnell zu dir geholt hast und uns auf diesen Weg gebracht hast. Ohne dich hätten wir vielleicht unsere so wundervolle Rosa gar nicht mehr.



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